Schweigen(2) - Anaw

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Hierzu noch biblische Gedanken:
    
„Jesus aber schwieg.“   (Matt. 26, 63) - oft eine sinnvolle Verhaltensweise.
„Bei vielen Worten bleibt die Sünde nicht aus.“ (Spr. 10, 19)
"Wer viel redet, hat nichts zu sagen" (Sprichwort).
„Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder wird gezähmt und ist gezähmt von der menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel, voll tödlichen Giftes.“ (Jak. 3, 8 Luther) Unzählige weitere ähnliche Stellen der Bibel ließen sich anführen.
Ruheständler, die in bestimmten Berufen viel reden mussten, haben hier Schwierigkeiten. Zu Zeiten der Proteste an Universitäten war die Stoffüberhäufung durch viele Worte mitunter ein Mittel, lästige Fragen nicht aufkommen zu lassen.
Andererseits gilt auch:
    
„Stummsein ist geradeso schlimm wie Geschwätzigkeit. Da ist das Schweigen ausweglos geworden, hat sich verhärtet und verdumpft ...“ (Guardini, S. 14)
Als wandelnder Vorwurf seinen Mitmenschen schweigend zu begegnen, erweist sich als belastend für alle Beteiligten. Es sollten Wege zum Gedankenaustausch gefunden werden. Wenn entsprechende Worte sich nicht finden lassen, dient es allen, einen Neuanfang mit Vergebung im Gebet anzustreben. Und wir verdanken es der Gnade Gottes, wenn plötzlich der aufgestaute Strom der Gefühle fließt. Mit einem Mal können wir einander mitteilen, was so tief in unserem Inneren vergraben war. Oft herrscht auch wunderbare Harmonie, ohne dass Worte gewechselt werden:
Im Glasperlenspiel besucht Josef seinen verehrten Lehrer ein letztes Mal. Der nur stumm lächelnde Greis  lässt sich nicht zu einem vernünftigen Gespräch bewegen. "Du ermüdest dich, Josef", sagt der Lehrer und schweigt wieder. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann der Jüngere das Schweigen annehmen. Es entsteht eine Kommunikation ohne Worte. Es  strömt zwischen den beiden eine Kraft, die der dankbare Josef später als kostbarstes Geschenke seines Lehrers begreift. Diese kurze Zusammenfassung vermittelt nur einen schwachen Eindruck von Sprachgewalt und Inhaltsdichte des Originaltextes. (Hesse H.: Glasperlenspiel S.258 f.)
Nouwen (1993 S. 27) war aufgefallen, dass er ständig versucht war, zu glauben, „... der Wert meiner Präsenz hänge von dem ab, was ich sage oder tue“. Dieser „Leistungswille“ halte ihn davon ab, Gott durch ihn sprechen zu lassen.
Das Besuchen eines Menschen und das bewusste Nichtreden und Zuhören erweist sich mitunter als der Situation angemessen. Dies dürfte in schwierigen Lebensphasen  besonders zutreffen – aber auch wenn man es mit uneinsichtigen Gesprächspartnern zu tun hat. Daher empfehlen Sufis seit Jahrhunderten, die beste Antwort auf Ignoranten sei Schweigen.    
„Wer immer redet, kommt nie zu sich... Das Herz ... (wird) leer. Wenn das Gefühl immer gleich ins Wort tritt, stirbt es.“ (Guardini S.13)
Rilke leidet unter der Entzauberung der Dinge und das Verwischen des Symbolcharakters von Worten in der Alltagssprache.
Nouwen zog sich bewusst für einige Zeit in ein Kloster zum Schweigen zurück. Er schildert eindrucksvoll, er habe sich verunreinigt gefühlt, als er wieder gesprochen hatte. (Nouwen: Stille S. 124)
Früher traf man oft die Sitte an, bei Essen nicht zu sprechen. Bei den Benediktinern kommt dies als „strenge Gewohnheit“ vor (vgl. Eco: Rose S. 41).
Ein Zuviel an Gerede kann ebenso wie die Überfülle an Bildern durch moderne Medien tiefergehende Erlebnisse verhindern.
Andererseits wird in Hesses Steppenwolf autobiografisch die vor Selbstmordabsichten bewahrende Wirkung eines verständnisvollen Gesprächs geschildert.
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