Schweigen(1) - Anaw

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Demut kann sich auch durch Zurückhaltung beim Reden ausdrücken. Man muss sich bewusst machen, dass vieles von dem, was einen bewegt, andere langweilt.
In fortgeschrittenem Alter entwickeln viele eine gewisse Geschwätzigkeit. Es herrsct ein zwanghafter Drang sich mitzuteilen. Dies kann auch in jungen Jahren als psychische Störung auftreten, die behandlungsbedürftig ist. Man spricht hier von "Sprechdurchfall" (Logorrhoe - griechisch „lógos“). Diese Redesucht als Symptom kann sogar auf ernste manisch-depressive oder andere Krankheiten hindeuten.
Vieles kann man auch lernen. Aber:  „Willensanstrengungen, uns zu ändern, nützen nichts, wenn wir den negativen Gedanken in uns Raum lassen“ (Grün, S. 11).
    
    
In Lebenssituationen, in den uns Mutlosigkeit beschleicht, erweist es sich als nützlich einen positiven Gedanken (Heilungsworte) in uns aufzurufen. Statt sich „ich schaffe das nicht“ einzureden, kann man sich beispielsweise mit einem geeigneten Bibelwort in entgegengesetzter Weise „programmieren“: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23, 1 Luther). An die Stelle von Lähmung treten Zuversicht und Schwung. Negative Gedanken und Worte wirken wie ein Gift. Sie ruinieren uns selbst und unsere Mitmenschen.
Grün (1983) verweist hierzu auf die antirrhetische Methode. Evagrius Ponticus hat sie in seinem „Antirrheticon“ entwickelt.  
Es gilt, sich dazu zu erziehen, immer dann wenn ein negativer Gedanke in den Sinn kommt einen aufbauenden dagegenzustellen.
Eine innere Balance wird dadurch angestrebt. Als nützlich erweist es sich, bei kritischen Situationen erst einmal zu schweigen. Man sollte das Bewusstsein zur Ruhe zu bringen.
    
Luther sagt, er habe durch das Gebet „mehr gekriegt als durch das Lesen der Bibel“. Dies zeigt die Wichtigkeit und den Nutzen eines inneren Schweigens, um Gottes Stimme zu hören. Meistert Eckhart drückte das so aus: „Ich will sitzen und ich will schweigen und ich will hören, was Gott in mir rede.“
„Nur aus der Stille heraus kann man wirklich hören.“ (Guardini S. 18)
„... wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen,  dass sie nicht trügen.“ (1. Petrus 3, 10 Luther-Text)
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